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«Intensivpflege ist Herzblut»

«Intensivpflege ist Herzblut»

Rita Purek arbeitet eigentlich im Spital in Schiers. Dort leitet die Expertin Intensivpflege die Intermediate-Care-Abteilung. Für die Coronakrise kehrte sie Anfang April auf die Intensivstation ins Kantonsspital Graubünden zurück. «Es war wie ein nach Hause kommen», sagt Purek.

Denise
Erni
05.05.20 - 04:30 Uhr
Aus dem Leben

«Vor vier Jahren habe ich die Intensivstation in Chur verlassen, um im Spital in Schiers die Intermediate-Care-Abteilung aufzubauen. Dort habe ich die Leitung der Station, welche sechs Betten umfasst. Auf einer IMC werden Patienten versorgt, die nicht so schwer wie auf einer IPS erkrankt sind und nicht beatmet werden müssen. Es sind aber Patienten, die eine intensivere Betreuung benötigen, als auf einer normalen Bettenstation. Es sind dies beispielsweise Patienten nach einem Herzinfarkt oder nach einer Operation, die auf der IMC liegen.

Nachdem auch im Spital Schiers seit Mitte März nur noch Notfälle operiert werden dürfen, das Kantonsspital Graubünden aber Personal für die IPS benötigte, ermöglichten es die CEOs beider Spitäler, dass ich nach Chur zum Arbeiten gehen konnte. Mit mir kamen noch zwei Kolleginnen und ein Kollege aus dem Spital in Schiers.

Rita Purek arbeitet vorübergehend nicht in Schiers, sondern am Kantonsspital in Chur.

Als ich am 6. April den Dienst auf der IPS in Chur antrat, war es für mich quasi wie ein nach Hause kommen, denn ich war bis 2016 hier tätig. Ich habe hier meine Ausbildung zur Expertin Intensivpflege gemacht. Viele der Ärzte und viele meiner Kolleginnen und Kollegen kannte ich noch gut. Zudem ist es ein gutes Gefühl, in dieser schweren Zeit meine Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen und so nützlich sein zu können.

Anfangs hatte ich Respekt gegenüber dem Umgang mit den Geräten. Diese sind aber sehr analog mit denen, die ich kenne. Trotzdem hatte ich meine Bedenken, ob ich es nach vier Jahren Abstand noch kann.

Bei der Einsatzplanung wurde aber sehr darauf geachtet, dass der Mix zwischen externen Mitarbeitern und dem Kernteam stimmt. So hatte ich die gesamte Zeit über eine Ansprechperson aus dem Kernteam an meiner Seite, sollten Fragen zu den Geräten auftauchten. Aber erstaunlicherweise ging es relativ gut.

Der Einsatz von Rita Purek in Chur dauert sicher noch bis Mitte Mai.

Gewöhnungsbedürftig sind die Corona-Abläufe: Man ist den ganzen Tag im selben Raum und hat dabei die Schutzkleidung an und am Ende der Schicht drückt die Maske ziemlich auf der Nase und es wird sehr warm unter der Schutzkleidung. Aber auch das Krankheitsbild dieser Covid-19-Patienten ist neu und es war gerade zu Beginn herausfordernd, weil wir nicht genau wussten, wie damit umzugehen ist.

Ich arbeite in einem 100-Prozent-Pensum und es sind intensive Tage, aber Intensivpflege ist Herzblut! Trotzdem kenne ich niemanden, der diesen Job bis zum Pensionsalter gemacht hat. Aber im Moment gibt es mir ein gutes Gefühl, dass ich hier in Chur im Einsatz stehen und helfen kann. Mein Einsatz dauert sicher noch bis Mitte Mai. Je nach Situation kehren meine Kolleginnen und ich nach Schiers zurück oder bleiben noch etwas länger in Chur.»

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