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Die Kinderärzte machen sich bereit

Die Kinderärzte machen sich bereit

Ein Schnupfen ist noch kein Grund, das Kind der Schule fernzuhalten, ein Kratzen im Hals hingegen schon. Wann müssen Kinder zum Corona-Test?

Denise
Erni
24.08.20 - 04:30 Uhr
Aus dem Leben
Kinderärzte bereiten sich auf einen möglichen Ansturm im Herbst und Winter vor.Bild Gaetan Bally / Keystone

Das neue Schuljahr hat begonnen. Und wie die Bündner Regierung Anfang des Monats bekannt gegeben hatte, starteten die Klassen regulär mit Präsenzunterricht und in ganzen Klassen. Auch wird in den Bündner Klassenzimmern auf eine Maskenpflicht verzichtet, weiterhin gelten aber die Hygiene- und Schutzmassnahmen.

Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen und Mitarbeitende, die Krankheitssymptome aufweisen, müssen der Schule fern bleiben. Zu den Symptomen gehören Husten, Halsschmerzen, Kurzatmigkeit mit oder ohne Fieber, Fiebergefühl oder Muskelschmerzen und/oder Fehlen des Geruchs- und/oder Geschmackssinns. Ein einfacher Schnupfen ist gemäss Informationen der Bündner Regierung aber noch nicht als akuter Atemwegsinfekt zu werten. Gerade Letzteres dürfte bei vielen (berufstätigen) Eltern für Erleichterung sorgen. Denn das bedeutet, dass man nicht bei jeder «Schnuddernase» des Nachwuchses einen Arzt aufsuchen und das Kind einem Test unterziehen lassen muss. Und dass man seinen Nachwuchs, so fühlt er sich denn fit genug, trotz leichter Erkältung in die Kinderkrippe, den Kindergarten und die Schule schicken darf.

Kratzen im Hals – ab nach Hause

Was aber, wenn es sich um ein leichtes Kratzen im Hals handelt, das Kind sich sonst aber fit fühlt? «Ist das Kind nur leicht erkrankt, zum Beispiel mit Halsschmerzen, bleibt es zu Hause – 24 Stunden über die vollständige Genesung hinaus», sagt Heidi Zinggeler Fuhrer, Kinder- und Jugendmedizinerin aus Chur. Bei Symptomen werde grundsätzlich ein Abstrich empfohlen, «aber anders als bei Jugendlichen ab zwölf Jahren und Erwachsenen darf aktuell bei Kindern bis zwölf Jahren und leichten Symptomen je nach Umständen auch auf einen Abstrich verzichtet werden», so die Ärztin. Dies weil Kinder aktuell kaum an Covid-19 erkranken und das Virus nur selten weitergeben würden. «Diese Beurteilung wird sich aber im Herbst möglicherweise wieder ändern», meint Zinggeler Fuhrer, die auch Vizepräsidentin des Verbandes der Haus- und Kinderärzte Schweiz ist.

Mehr Infekte, mehr Tests

Egal, ob ein Kratzen im Hals oder «nur» eine Erkältung: Es ist anzunehmen, dass viele Eltern im Herbst und Winter häufiger einen Kinderarzt aufsuchen werden, als noch vor der Corona-Pandemie. Gerade bei Kleinkindern liegen Infekte an der Tagesordnung; im Durchschnitt macht jedes Kleinkind sechs bis acht pro Saison durch. Es schleppt sich in der Winterzeit quasi von Infekt zu Infekt.

So bereiten sich dann auch Kinderärzte wie Zinggeler Fuhrer auf einen möglichen Ansturm vor. «Wir müssen uns auf viele Eventualitäten und Unsicherheiten gefasst machen», sagt sie. «Für uns Ärztinnen ist der Umgang mit Unsicherheiten allerdings Alltag und wir haben gelernt, damit umzugehen.» Zweifellos würden grosse Herausforderungen auf die Praxen, Schulen und die Bevölkerung zukommen, sagt Zinggeler Fuhrer, die ihre Praxis im Medizinischen Zentrum Gleis d in Chur betreibt. «Mit zunehmender Infekthäufigkeit im Winter werden viel mehr Tests nötig sein, ganz unabhängig davon, ob auch die Zahl der Covid-19-Infektionen zunehmen wird, was allerdings zu erwarten ist.»

«Aktuell gilt, dass bei jedem Infekt – mehr als ein Schnupfen –, der nicht klar einer bestimmten Krankheit wie zum Beispiel einer Mittelohrentzündung zugeordnet werden kann, das Coronavirus gesucht werden muss», sagt Zinggeler Fuhrer. Ausser dem akuten Verlust des Geschmacks- und/oder Geruchsinns gebe es keine sicheren respektive typischen Zeichen für einen Covid-Infekt – und auch keine sicheren Kriterien, die Covid-19 ausschliessen. «Somit kann nur mit einem Test die Diagnose gesichert oder ausgeschlossen werden.»

Maske in der Praxis

Zinggeler Fuhrer führt die Corona-Tests in ihrer Praxis in Chur durch. Dafür sei zwischen den Sprechstunden genügend Reservezeit sowie eine gute Raumorganisation notwendig. «Aber das ist in einer Praxis Routine und eine Frage der Organisation. Es sollen sich grundsätzlich so wenig Leute wie möglich gleichzeitig darin aufhalten und möglicherweise ansteckende Patienten sollen – unabhängig von Corona – von nicht ansteckenden getrennt werden.»

Für sie und ihr Team gelte bereits seit Beginn der Pandemie eine Maskenpflicht, und auch die Patienten, deren Begleitpersonen und Kinder ab zehn Jahren dürfen das Medizinische Zentrum nur mit einem Mund-Nasenschutz betreten. Diese allgemeine Maskenpflicht funktioniere «eigentlich sehr gut», sagt Zinggeler Fuhrer.

Die Meinungen, ob Masken auch für Kinder sinnvoll wären, würden noch auseinandergehen. «Vor allem, weil das korrekte Tragen sehr wichtig ist.» Sie stelle aber fest, dass Kinder die Maske sogar korrekter als mancher Erwachsener tragen würde. «Auch kommen öfters jüngere Kinder freiwillig mit Maske in unser Zentrum.»

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