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Kino Chur AG wehrt sich nach Shitstorm

Kino Chur AG wehrt sich nach Shitstorm

Das geplante Cineplex-Kino in Chur sorgt für heftige Diskussionen – und für Kritik an den Gegnern des Grossprojekts, der Kino Chur AG. Ein Auszug aus Facebook-Kommentaren.

09.03.18 - 12:00 Uhr
Ereignisse

Da hat Thomas Domenig senior definitiv etwas los getreten: Das Vorhaben des Churer Architekten, in der Bündner Hauptstadt ein Grosskino zu bauen, sorgt seit Tag 1 für heftige Diskussionen zwischen Befürwortern und Gegnern (u.a. Kino Chur AG und Anwohner) eines solch immensen Komplexes und warf auch die Frage über die Zukunft der bestehenden Stadtkinos auf.

Offizieller Status Quo in der Angelegenheit:

  • Die Baupläne stehen
  • Die Stadt hat das Bauvorhaben bewilligt
  • Eine Betreiberin ist ebenfalls gefunden
  • Beim Bündner Verwaltungsgericht liegt eine Einsprache gegen das Kinoprojekt

 

Das sagt der digitale Stammtisch

Nicht nur in den Büros der betreffenden Parteien und im Verwaltungsgericht wird das Thema behandelt. Auch in den sozialen Medien mauserte sich der Kinokomplex in kürzester Zeit zum beliebten Diskussionsthema. So wurde unsere Analyse des Falls jüngst in der geschlossenen Facebook-Gruppe «Du bisch vu Chur, wenn...» diskutiert. Dort zeichnet sich aktuell ein Trend fürs neue Cineplex-Projekt, respektive Kritik an der Einstellung der Kino Chur AG, ab. Hier ein Auszug aus den Kommentaren: 

 

Die obige Auflistung der Kommentare entbehrt jeglichem Anspruch auf Vollständigkeit und zeichnet ein sehr einseitiges Bild. Bis zum Freitagmittag, 9. März, sind bei besagtem Post kaum Kommentare eingegangen, die sich gegen das Gros der Meinungen in der Kommentarspalte richten.

Die Kino Chur AG teilt auf Anfrage von «suedostschweiz.ch» Folgendes mit:

«Wir möchten Folgendes zur Richtigstellung festhalten: Wir haben die betreffende Person (Anm. d. Redaktion: Urheber des Facebook-Posts) schon mehrmals zu einem direkten Gespräch eingeladen, in der Hoffnung, seine persönlichen Differenzen gegenüber der Familie Kalberer zu klären. Leider hat diese darauf nicht reagiert, was wir bis heute sehr bedauern.

Nach dem zweiten Generationenwechsel im Jahr 2012 wurden über 2 Millionen Franken in die bestehenden Kinos investiert. Alle Säle sind komplett digitalisiert und mit 7.1.-Tonanlagen ausgestattet. Zwei Kinosäle sind zusätzlich mit top-modernen 3D-Projektoren ausgerüstet. Ebenfalls wurde das komplette Kinocenter mit komfortablen und qualitativ hochwertigen Sitzen des spanischen Premium-Herstellers Figueras ausgestattet. Weitere geplante Investitionen mussten leider aufgrund der aktuellen Situation im City West zurückgestellt werden.

Bereits Ende der Neunziger, anfangs der 2000er-Jahre hat die damalige Geschäftsführung (damals Kino Apollo E. Räber-Müllers Erben) vermehrt den Kontakt zu den Churer Behörden betreffend Neubau eines Multiplexes in der Innenstadt gesucht. Unterstützung bei der Standortsuche erhielt man keine. Im Gegenteil. Überall hiess es, es sei absolut unnötig und die Landreserven dürften nicht für ein derartiges Bauvorhaben vergeben werden. Für mehrere private Grundeigentümer war die Idee eines Multiplex Kinos für eine Baulandvergabe ebenfalls zu wenig interessant.

Das Projekt wurde bis heute intern pendent gehalten bzw. ist bereit zur Realisation – lediglich der geeignete Standort im Stadtzentrum fehlt.

Bei fairen Marktbedingungen haben wir absolut keine Bedenken gegenüber einem neuen Mitbewerber auf dem Churer Kinoplatz. Fakt ist, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bei den öffentlich-rechtlichen Institutionen, sowie den städtischen Behörden dermassen verzerrt werden, dass man als ein Familien-KMU in Chur wenig bis gar keine Chancen zur Expansion hat. Es sei denn, man ist Grundeigentümer oder man hat das passende Budget. Dann wird sofort der rote Teppich ausgerollt... Ob ein Gross-Projekt grössere langfristige stadtplanerische Auswirkungen hat, konzeptionell durchdacht und überhaupt wirtschaftlich ist, darauf wird nicht geachtet.

Wir lassen uns diese klar parteiische und absolut vom Kapitalismus dominierte Situation nicht mehr länger gefallen. Wir sind nach wie vor überzeugt, dass Chur eine abwechslungsreiche, kulturelle und qualitativ hochstehende Programmvielfalt verdient, damit Kino für jedes Alter attraktiv, unterhaltend und lebendig ist und bleibt.»

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Die Mitteilung der Kino Chur AG betreffend eines Neubau (Multiplex) ende Neunziger anfangs Nullerjahre zeigt doch nur noch deutlicher auf wie man die Sache falsch eingeschätzt oder gar verschlafen hat.
1. Zitat: "Das Projekt wurde bis heute intern pendent gehalten bzw. ist bereit zur Realisation – lediglich der geeignete Standort im Stadtzentrum fehlt."
Wo bitte soll den bitte im Stadtzentrum der Platz für ein Multiplex zu finden sein? Den Platz gab es auch vor 20 Jahren im Stadtzentrum nicht und wird es auch nie mehr geben, zudem stelle man sich im Zentrum die Einsprachen betreffend Lärmbelästigung vor, welche in diesem Fall, im Gegensatz zum neuen Projekt, auch gerechtfertigt wären.
2. Zitat: "Kontakt zu den Churer Behörden betreffend Neubau eines Multiplexes in der Innenstadt gesucht. Unterstützung bei der Standortsuche erhielt man keine."
Was soll man dazu sagen? Im Prinzip ist unter 1. schon alles gesagt. Das die Stadt kein Interesse an mehr Verkehr im Zentrum (Innenstadt) hatte und hat sollte wohl jedem einleuchten. Ich denke die Bahnhofstrasse ist Statement genug.
3. Zitat: "Wir lassen uns diese klar parteiische und absolut vom Kapitalismus dominierte Situation nicht mehr länger gefallen."
Laut Bundesamt für Justiz gilt in der Schweiz die Meinungsäusserungsfreiheit, Punkt.
4. Zitat: "Wir sind nach wie vor überzeugt, dass Chur eine abwechslungsreiche, kulturelle und qualitativ hochstehende Programmvielfalt verdient, damit Kino für jedes Alter attraktiv, unterhaltend und lebendig ist und bleibt."
Dann wäre es allerhöchste Zeit sich an einen Tisch zu setzen und eine Lösung zu finden, den mittelfristig wird das Spielen auf Zeit wohl nicht aufgehen.

Lieber Gion Stifler
Hast du dich mal mit dem geplanten Städteplan auseinander gesetzt?
Aufgrund deiner Aussagen eher nicht.

Momentan ist nur das Multiplex bewilligt. Aber weitere Bauten wie Altersheim, weitere Wohnraum Schulen usw. Sind in den Überlegungen der Städteplaner. Damit wäre das Multiplex früher oder später auch mitten im Kuchen. Also gleiche Situation.
Ich weiss nicht was Chur mehr braucht.
Ein anständiges heutigem Standart entsprechendes Altersheim für die Leute die Chur zu dem gemacht haben was es heute ist. Neue Schulhäuser für die Bildung damit unsere Kinder in Zukunft auch solche lapidaren Diskussionen führen können.
Oder ein Multiplex für unser eh schon viel zu stark ausgeprägten egoistischen Kosumverhalten?
Ich bin auch für Erneuerung aber immer im Einklang.
Ich finds gut das Th. Domenig Senior solche Diskussionen anregt. Aber ob dies auch immer so notwendig ist?
Weiss nicht so richtig.
Auf jeden Fall kann und muss man festhalten das Th. Domenig sehr viel für die Stadt Chur seine Vereine und auch die Bevölkerung gemacht hat. Auf eigene Kosten.
Zum Glück muss ich das nicht entscheiden.
In diesem Sinne Feel Free and think positiv.

Ich verstehe zwar ihre Argumentation, kann diese aber nicht so stehen lassen.

Soweit ich dem GIS-Stadtplan entnehmen kann sind die einzigen bewilligten Bauprojekte in dieser Gegend die Überbauungen beim Kleinbruggen mit Grenze zum Walserbühl, diese sind aber nicht in unmittelbarer Nähe zum geplanten Bauvorhaben. Natürlich haben Sie recht das über kurz oder lang das Kino auch an diesem Standort mitten im „Kuchen“ sein wird, das lässt sich bei einer wachsenden Stadt auch nicht vermeiden, allerdings ist es ein Unterschied ob man neue Bauten um ein, in diesem Fall Kino, herum baut oder ob man ein Kino in ein bereits vorhandenes Quartier hinein baut. Und in diesem Fall wollte die Kino Chur AG eben genau letzteres und das am liebsten auch gleich im Stadtzentrum als man von Seiten der Stadt nicht auf diese Zentrumslösung eingegangen ist hat man, anstatt eine Alternative zu suchen, das ganze Projekt einfach auf Eis gelegt.

Mit Verlaub, Projekte wie Schulen oder ein Altersheim wie Sie es schreiben haben doch mit diesem privaten Projekt gar nichts zu tun, oder wo sehen Sie den Zusammenhang?

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