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Masüger von der Deutlichkeit überrascht

Masüger von der Deutlichkeit überrascht

Somedia-CEO Andrea Masüger ist mit dem Nein zur No-Billag-Initiative zufrieden. Nun müsse sich die SRG bewegen, sagt er im Interview.

Südostschweiz
04.03.18 - 16:11 Uhr
Politik
Somedia-CEO Andrea Masüger ist mit dem Abstimmungsausgang zufrieden.
ARCHIV YANIK BÜRKLI

«Ich bin sehr zufrieden mit dem Abstimmungsergebnis. In dieser Höhe hätte ich das nicht erwartet», sagte Andrea Masüger, CEO Somedia. «Graubünden gehört zu den Kantonen mit der deutlichsten Ablehnung. Und persönlich freut mich das Ergebnis für Somedia, wo über 60 Mitarbeiter von Radio und Fernsehen weiterbeschäftigt werden können.»

Die ersten Umfragen im vergangenen Herbst seien online und damit nicht repräsentativ gewesen. Damals hätten wohl vorwiegend Jugendliche mitgemacht, die eher Mühe haben mit einer Gebühr, deren Angebot sie vielleicht nicht mehr nutzen. Bei den repräsentativen Umfragen Anfang Jahr sei die Tendenz zu einem Nein dann sichtbar geworden, so Masüger weiter.

SRG muss abspecken

Die Leute und auch die Initianten sahen dann, wie radikal die Initiative wirklich war. Und als die Stimmberechtigten die Unterlagen vor sich hatten, dachten wohl die meisten, das geht zu weit.

Aus Sicht von jenen, die sich wünschten, dass sich die SRG bewegt, sei das klare Abstimmungsergebnis nicht ganz optimal, so Masüger.  Aber die SRG könne auch jetzt nicht einfach weitermachen wie bisher: «Das Unternehmen muss abspecken – besser jetzt und von sich aus, als später auf politischen Druck.»

Gelder wären abgewandert

Masüger ist kein Verleger bekannt, der bei einer allfälligen Schliesserung von SRG und privaten Sendern darauf gehofft hatte, dass Werbegelder aus dem Fernsehbereich in Zeitungen zurückgekehrt wären. Als Mitglied des Präsidiums des Verbandes Schweizer Medien ist Masüger überzeugt, dass diese Gelder ins Ausland abgewandert wären. «Im Verband war man klar gegen diese Initiative. Es war aber ebenso klar, dass man der SRG in Zukunft mehr Auflagen machen will. Insbesondere dort, wo sie privaten Verlagen ins Geschäft 'reinpfuscht', also im Online- sowie im Werbebereich.»

Den Druck auf die SRG bezeichnet Masüger als immens. «Man muss jetzt ganz intensiv schauen, was die aktuelle Aufgabe der SRG ist. Auch wenn die Kanonenkugel nicht ganz so weit geflogen ist, ist das Abstimmungsergebnis ein Schuss vor den Bug», ist Masüger überzeugt. Der Somedia-CEO rechnet mit einer Gebührensenkung seitens der SRG – oder, falls das nicht der Fall sein wird, mit weiteren politischen Vorstössen.

Positive Zeichen für Somedia

Für Somedia sei das Abstimmungsergebnis ein deutliches Signal, ist Masüger überzeugt. «Das Ergebnis ist nicht nur ein Bekenntnis für die romanischen Medien, sondern auch für Somedia. Die Bündner wollen lokale Radio- und Fernsehstationen», sagte Masüger weiter. Derzeit bekommen lokale Stationen fünf Prozent der Gebühren, ab kommendem Jahr werden es sechs Prozent sein. «Dieser bescheidene Anteil müsse erhalten bleiben, damit die lokalen Sender weiterhin funktionieren können.» (phw)

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