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«Bis jetzt kein Thema bei uns»

«Bis jetzt kein Thema bei uns»

Sebastian
Dürst
19.01.20 - 04:30 Uhr
Politik
Der Bedarf war bis jetzt nicht da: Gemeindepräsident Thomas Kistler erklärt, warum es in Glarus Nord nur wenig gemeinnützigen Wohnungsbau gibt. Bild: Archiv

Herr Kistler, der Anteil an gemeinnützigen Wohnungen ist im Kanton Glarus sehr gering, in Glarus Nord noch kleiner. Können Sie sich erklären, warum das so ist?

Thomas Kistler: Wir haben trotz vielen Neubauten und einer Bevölkerungszunahme im Vergleich zu Ballungszentren einen relativ hohen Leerwohnungsbestand. Zudem gibt es bis jetzt mit Ausnahme für Alterswohnungen keine Anbieter für sozialen Wohnungsbau. Und weder die Gemeinden noch der Kanton haben je eine aktive Rolle gesucht. Früher haben patronale Arbeitgeber wie F+C Jenny oder die Eternit selbst diese Funktion übernommen.

In Glarus Nord wird viel gebaut, überwiegend Mehrfamilienhäuser. In Glarus kann man sich vorstellen, dass die Mieten in Zukunft ein Thema werden. Hat sich Glarus Nord eine Strategie gegen steigende Mieten zurechtgelegt?

Bis jetzt sind steigende Mietpreise und direkte Einflussnahme für den Gemeinderat Glarus Nord noch kein Thema gewesen. Das Bevölkerungswachstum bewegt sich im Rahmen des im Richtplan festgelegten einen Prozents. Überbaut wird privates Land, die Gemeinde selbst hat keine Landreserven mehr. Die Gemeinde sorgt mit der vorgeschlagenen Nutzungsplanung grundsätzlich für gesunde Rahmenbedingungen.

Viele Einfamilienhäuser, die es schon gibt, neue Mehrfamilienhäuser, die gebaut werden: Gibt das nicht früher oder später soziale Probleme, weil die Reichen im Haus, die Ärmeren im Block wohnen müssen?

Früher haben die Gemeinden bewusst Landparzellen für Einfamilienhäuser verkauft und wollten damit sogar Steuerpolitik betreiben. Natürlich diskutieren wir, wie die soziale Durchmischung in den Quartieren gefördert werden kann. Dazu könnte der gemeinnützige Wohnungsbau ein attraktives Mittel sein. Ein anderes Mittel sind Überbauungspläne: Damit kann sichergestellt werden, dass eine private Überbauung auch für die Öffentlichkeit attraktiv ist. Zum Beispiel mit Parks, Spielplätzen oder einem Fussweg durch das Grundstück.

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