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Viel Unverständnis und ein wenig Hoffnung

Viel Unverständnis und ein wenig Hoffnung

Die Ankündigung des Bundesrats vom Dienstagabend gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus in zwei Stufen vorzugehen, löste im Bündner Parlament Kopfschütteln und Wut aus.

Philipp
Wyss
09.12.20 - 17:20 Uhr
Politik
Dezembersession Grosser Rat Grossrat Davos Kongress Kongresszentrum Bündner Parlament
Am Mittwoch wurde die Dezembersession in Davos abgeschlossen.
OLIVIA AEBLI-ITEM / OLIVIA AEBLI-ITEM

Ab Samstag will Bundesbern die Massnahmen verschärfen und Restaurants, Läden und Sportaktivitäten ab 19 Uhr sowie an Sonntagen schliessen. Privat sollen sich ausser über die Weihnachtstage und an Silvester maximal noch fünf Personen aus höchstens zwei Haushalten treffen dürfen.

Sollte sich die Lage weiter verschlechtern, kündigte der Bundesrat für eine Woche später eine zweite Stufe mit der Schliessung von Läden und Gastrobetrieben an. Entscheiden will der Bundesrat am Freitag. Im Bündner Grossen Rat sind die Meinungen dazu aber bereits gemacht. Radio Südostschweiz hat sich umgehört.

Koch: «Eine absolute Katastrophe»

«Die kommunizierten Massnahmen sind eine absolute Katastrophe. Die Gastronomen bekommen richtig eins aufs Dach. Ein wirtschaftlicher Betrieb ist einfach nicht mehr möglich. Und dies, nachdem die Branche viel in Schutzkonzepte und Ausbildung des Personals investiert hat», sagt SVP-Grossrat Jan Koch. Und weiter: «Wenn man jetzt mit Hoteliers und Gastronomen spricht, sagen einem viele, dass sie, wenn es so weitergeht, im Frühjahr für immer schliessen müssen.»

Auch CVP-Grossrat Reto Crameri findet die geplanten Massnahmen falsch. «Ich frage mich, warum Restaurants um 19 Uhr schliessen sollten. Wer geht denn um 17 Uhr zum Nachtessen», sagt Crameri. Aus der Sicht des Politikers fehlen die Erkenntnisse, wo man sich ansteckt. «Ansteckungen im Gastrobereich, auf Sesselbahnen oder Skigebieten sind gering. Das zeigt mir, dass der Bundesrat relativ konzeptlos unterwegs ist», so Crameri.

Jan Koch ist überzeugt, dass Bern diese geplanten Massnahmen nicht begründen kann. «Wir wissen bei rund 50 Prozent der Leute nicht, woher die Ansteckungen kommen. Und dennoch grätschen wir in einzelne Branchen. Das ist ein Krisenmanagement im Blindflug.»

Weiter glaubt Jan Koch, dass «die Flächentests, die Licht ins Dunkel bringen sollen, für Graubünden zum Desaster werden könnten.» Wir werden höhere Fallzahlen ausweisen und wenn diese nicht richtig hinterfragt werden, hat Graubünden ein grosses Problem, so Koch. Im Raum stehen Schliessungen von ganzen Wintersportgebieten.

Crameri: «Das ist nicht nachvollziehbar»

Auch Reto Crameri sagt, dass aus den Resultaten der Flächentests nicht Wintersportgebiete geschlossen werden dürfen. «Ziel dieser Test ist es nicht, verkürzte Schlussfolgerungen zu ziehen, sondern dass man erkrankte Personen frühzeitig erkennt und diese sich in Quarantäne begeben können.»

Crameri hat die Ankündigung von Regierungsrat Peter Peyer sehr überrascht, dass die Bewilligungen für die Öffnung von Skigebieten nicht erteilt würden. «Das ist nicht nachvollziehbar. Aber es liegt im Ermessen der Regierung, wie sie mit den Fallzahlen umgeht», so Crameri.

Regierung macht alles für die Wintersaison

Regierungsrat Marcus Caduff bemängelt die Kurzfristigkeit. Am Mittwoch um 11 Uhr habe die Bündner Regierung die Unterlagen zu den geplanten Massnahmen erhalten. «Und bis um 18 Uhr müssen wir eine Rückmeldung geben», so Caduff.

Weiter sei nun eine Kollektivbestrafung aller Kantone geplant, auch jener Kantone, die Massnahmen ergriffen haben. «Nun werden alle Kantone bestraft, weil einige anscheinend keine Massnahmen ergriffen haben. Bern solle besser jene Kantone bestrafen, die ihre Aufgaben nicht gemacht haben. «Das ist kein schönes Vorgehen», so Caduff. «Ich habe mich wirklich geärgert.»

Für Caduff kündigt der Bund Massnahmen an, die fast nicht umzusetzen sind. «Dann wäre es ehrlicher, wenn der Bund das Zepter und die Umsatzausfälle zu 80 Prozent auch übernehmen würde.»

Und abschliessend sagt Regierungsrat Caduff, dass es bei den aktuellen Fallzahlen schwierig wäre, alle Wintersportgebiete im Kanton öffnen zu können. Das sei aber eine spekulative Aussage und um die Fallzahlen zu senken habe man vergangene Woche Massnahmen ergriffen. Abschliessend sagt Caduff: «Wir setzen alles daran, dass in ganz Graubünden alle Wintersportanlagen unter Einhaltung von Schutzkonzepten betrieben werden können.»

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Passt auf! Diese Touristikerpolitiker sind nicht sauber!! Sie sind zu sehr lobbyiert. Die Sache ist im Moment ganz einfach: Geld oder Leben!

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