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Basler Drag Queen Odette Hella'Grand will zum Nachdenken anregen

Basler Drag Queen Odette Hella'Grand will zum Nachdenken anregen

Die Basler Drag Queen Odette Hella'Grand gehört zu den Grössen der Schweizer Szene. Sie will in erster Linie unterhalten, als Botschafterin der LGBTQI*-Community aber auch zum Nachdenken anregen.

Agentur
sda
02.07.21 - 14:45 Uhr
Stars & Sternli

Früher sei er als extrovertierter Mensch unterwegs gewesen, sagt Jouko Schäublin im Videogespräch mit Keystone-SDA. Seit er vor gut sechs Jahren zu seiner Kunstfigur als Drag Queen Odette Hella'Grand gefunden hat, kann er ein Doppelleben führen: als theatralische Travestiekünstlerin und als geerdeter Arbeitnehmer im Gesundheitswesen.

Wie er oder sie zu seiner beziehungsweise ihrer Bestimmung als Drag Queen gekommen ist, kann Schäublin nicht so richtig sagen. Irgendwann bei einem Tuntenball um die Weihnachtszeit in Basel sei er erstmals so richtig als Frau in Erscheinung getreten.

Heute gehört Odette Hella'Grand zu den Grössen der Schweizer Drag-Szene - mit Auftritten auf Bühnen, in Bars und am Fernsehen, wo er das Publikum mit unsterblichen Oldies verzaubere, wie er sagt.

Unterhaltung pur ist aber nicht der einzige Antrieb für seine Auftritte. «Ich möchte die Menschen auch zum Nachdenken anregen», sagt er - gewissermassen als Aufklärer für LGBTQI*. Mit der Kunstfigur der Drag Queen könne er sich direkter ausdrücken und damit vielleicht mehr erreichen, sagt er.

Nicht im falschen Körper

Schäublin legt dabei Wert auf das Prinzip einer Kunstfigur. Er sei Travestie-Künstler und kein Transgendermensch: «Ich mache etwas, ich bin es nicht.» Er fühle sich nicht im falschen Körper, er sei gerne Cis-Mann, gerne ein schwuler Mann und manchmal halt auch sehr gerne eine Hollywood-Diva. «Ich bin eigentlich normal, nur halt ein bisschen anders.»

Schäublin hatte nach eigenen Angaben das Glück, dass seine Eltern sein Outing als schwuler Mann mit einer grossen Selbstverständlichkeit hingenommen haben. Das galt auch, als er sich als Drag Queen zu erkennen gab. Die Eltern kämen zu jeder seiner Shows. «Mein Vater ist richtig stolz auf mich», sagt er. Und seine Mutter helfe ihm bei den Kostümen.

Auf solche Akzeptanz stosse er aber nicht überall. In Basel sei ihm auch schon vor die Füsse gespuckt worden, in Zürich gar ins Gesicht. Schäublin scheint dies aber nicht allzu sehr zu beunruhigen. «Und im Notfall können Highheels auch als böse Waffe herhalten.»

Er könne nicht davon ausgehen, dass er als Drag Queen von allen akzeptiert werde, sagt er. Wünschen täte er sich aber, dass Drag als Kunstform genau so behandelt würde wie andere Formen der darstellenden Künste.

Selbstverständlichkeit von Kindern

Auf sein schönstes und eindrücklichstes Erlebnis als Drag Queen angesprochen, überrascht Odette Hella'Grand. Das sei bei einer Beerdigung in der Kirche gewesen, sagt er. Dort habe er nicht auf Lacher und Applaus aus sein müssen, sondern habe sich ganz einfach innig und emotional vom Verstorbenen verabschieden können.

Freuen kann er sich auch über Reaktionen von Kindern. «Die nehmen das ganz vorurteilslos hin», sagt er. Für Kinder sei er einfach ein Mensch mit Kostüm und Schminke.

Auf Schminke und Make-up legt der Künstler beziehungsweise die Künstlerin viel Wert. Für das Geld, das er für diese Produkte ausgegeben habe, hätte er sich einen Kleinwagen kaufen können, sagt er. Und auch zeitlich nimmt das Prozedere vor dem Spiegel viel Raum ein. «Für das Gesicht alleine brauche ich etwa 50 Minuten», sagt er. Mit dem Umkleiden verlängert sich das Ganze auf etwa eine Stunde und zehn Minuten.

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