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Regenwetter lässt Hoffnung auf Rekordsommer schwinden

Regenwetter lässt Hoffnung auf Rekordsommer schwinden

Viele Bündner Tourismusorte sind passabel in den Sommer gestartet. Das Wetter macht aber vielen Hoteliers einen Strich durch die Rechnung. Gefragt sind weiter Ferienwohnungen und Campingplätze.

Patrick
Kuoni
17.07.21 - 04:30 Uhr
Tourismus
Viele Gäste: Campingplätze wie hier in Flims sind auch in diesem Sommer gut gebucht.
Bild Livia Mauerhofer

Bündner Touristikerinnen und Touristiker starteten mit einigen offenen Fragen in den Sommer 2021. So war lange unklar, wie gross die Restriktionen in der Schweiz und im Ausland sein werden. Und Änderungen sind weiterhin jederzeit möglich. Eng damit verbunden war auch die Frage, wie viele Schweizerinnen und Schweizer wie im Jahr 2020 im Inland Ferien machen. Im Vorjahr verzeichnete Graubünden in den Sommermonaten anders als alle anderen Schweizer Regionen nämlich gar ein leichtes Plus zum Jahr 2019, wenn auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen sehr gross waren. Eine andere grosse Frage war, ob ausländische Gäste bereits wieder nach Graubünden strömen.

Weniger Schweizer Gäste

Nachdem nun die Sommerferien in vielen Schweizer Kantonen begonnen haben, lässt sich eine erste grobe Antwort auf diese Fragen geben. Ernst «Aschi» Wyrsch, Präsident von Hotelleriesuisse Graubünden, fasst die Situation so zusammen: «Es kommen immer noch viele Schweizerinnen und Schweizer, aber nicht in der gleichen Anzahl wie Vorjahr. Die Welschen lassen noch ein wenig auf sich warten.» Langsam kämen wieder mehr Gäste aus dem Ausland «wetterbedingt aber noch nicht in grossen Scharen», wie er feststellt. In erster Linie handle es sich um Gäste aus Deutschland und Italien. Wyrsch prophezeit «einen schlechteren Verlauf als im Vorjahr, aber ungefähr auf dem Niveau Sommersaison 2019». Er warnt jedoch eindringlich: «Sollte das Wetter nicht nachhaltig besser werden, was nicht der Fall sein wird, kann sich sogar eine ausgesprochen schlechte Sommersaison ergeben.»

«Es kommen viele Schweizerinnen und Schweizer, aber nicht mehr gleich viele wie im Vorjahr.»

Ernst «Aschi» Wyrsch, Hotelleriesuisse Graubünden

Erholung in St. Moritz

Luzi Bürkli, Kommunikationschef von Graubünden Ferien, kommt zu ähnlichen Schlüssen wie sein Branchenkollege: «Destinationen, welche 2020 einen Rekordsommer verzeichnet haben, rechnen wiederum mit einem guten bis sehr guten Ergebnis, wenn auch zumeist nicht mehr auf Rekordniveau.» Nach wie vor sei das Buchungsverhalten aber vor allem in der Hotellerie sehr kurzfristig. «Besonders ist, dass Destinationen, welche im Sommer 2020 den Ausfall ausländischer Gäste nicht kompensieren konnten, Erholungstendenzen zeigen», so Bürkli. So sei St. Moritz sehr erfreulich und dank Schweizer Gäste deutlich besser als noch 2020 in die Sommerferien gestartet, und in Chur habe zumindest der Tagestourismus wieder zugenommen, bei den Übernachtungen resultiere in der Hauptstadt allerdings weiterhin ein grosses Minus.

«Der Grossteil der Anstrengungen zur Bewerbung von Graubünden als Feriendestination konzentriert sich weiterhin auf den Schweizer Markt», erklärt Bürkli. Im Speziellen sei Graubünden Ferien in diesem Sommer mit Marketingmassnahmen in der Romandie präsent (Online- und Print-Kampagne auf Französisch, Medienkooperation in der Westschweiz sowie Presse­reisen nach Graubünden). Die Pandemielage erlaube es aktuell zudem, auch in den Auslandmärkten Deutschland und den Benelux-Staaten wieder aktiv zu sein. Bei der Rhätischen Bahn stellt man fest, dass wenig ausländische Gruppen unterwegs sind. Gemäss Mediensprecherin Yvonne Dünser seien dies vereinzelt Deutsche, praktisch keine italienische Gäste und keine aus Asien oder Übersee. Beim Bernina Express würden die Gästezahlen langsam ansteigen, vor allem bei der morgendlichen Verbindung von Chur nach Tirano und am Nachmittag retour.

Campingboom hält an

Wie bereits während der ganzen Coronapandemie sehr gross ist das Bedürfnis nach Ferienwohnungen und Camping. Das bestätigen sowohl Wyrsch als auch Bürkli. Und beim Camping lässt sich dies auch mit Zahlen belegen. Gemäss dem kantonalen Amt für Wirtschaft und Tourismus verzeichneten Campingplätze von Mai bis Oktober 2020 im Vergleich zu 2019 ein Drittel mehr Logiernächte. Dies obwohl der Mai 2020 aufgrund der Coronamassnahmen fast ein kompletter Totalausfall war. Dass sich der Trend zum Camping weiter fortsetzt, zeigt ein Vergleich der Zahlen von Januar bis Mai 2019 und dem gleichen Zeitraum 2021. Alle fünf Monate im Jahr 2021 waren besser gebucht. So verwundert es nicht, dass etwa in Arosa das Campingangebot bis Mitte August ausgebucht ist und in Davos zusätzliche temporäre Stellplätze installiert wurden.

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