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«Auf einen Schlag 10 000 Leser mehr»

«Auf einen Schlag 10 000 Leser mehr»

Für Somedia ist die neue Zeitung eine Erfolgsmeldung, sagt CEO Thomas Kundert.

Thomas
Senn
01.09.18 - 04:30 Uhr
Wirtschaft
Mit Tamedia einig: Somedia-CEO Thomas Kunder freut sich auf die neue Zeitung.
THEO GSTÖHL

Herr Kundert, Somedia und die Zürcher Tamedia machen künftig zwischen Zürich- und Walensee gemeinsam eine Zeitung. Ist das für Somedia der erste Schritt zum Zusammenschluss mit dem grössten Verlag der Schweiz?

Thomas Kundert: Nein, das ist kein Thema.

Tamedia würde doch sicher gerne in der Südostschweiz Fuss fassen.

Noch einmal, ein Zusammenschluss war und ist kein Thema. Das gemeinsame Projekt ist viel mehr ein Bekenntnis zur Region See-Gaster, wo wir künftig eine noch stärkere Zeitung machen werden. An der Firma ist Somedia mit 51 Prozent und Tamedia mit 49 Prozent beteiligt. Somedia hat also den Lead, Verwaltungsratspräsident wird Somedia-Verleger Hanspeter Lebrument.

Weshalb kommt das Projekt gerade jetzt?

Somedia und Tamedia führen schon seit drei Jahren Gespräche. Mal waren sie lose, mal haben wir sie vertieft, mal waren wir uns in einzelnen Punkten nicht einig. Jetzt aber sind wir uns einig. Deshalb kommt die gemeinsame Zeitung am 1. Oktober.

Sie sind seit zwei Monaten CEO von Somedia. Da darf man Ihnen also gratulieren zu Ihrem ersten Coup.

Für Somedia ist das auf jeden Fall eine Erfolgsmeldung. Nachdem wir bei den klassischen Medien zuletzt über einen Abbau informieren mussten, können wir endlich wiedermal einen Ausbau verkünden. Somedia gewinnt auf einen Schlag 10 000 Leser dazu. Das stärkt uns natürlich im Abonnenten- wie auch im Werbemarkt. Wir werden jetzt eine sehr gute Zeitung machen. Eine Zeitung, die den Leserinnen und Lesern und den Abonnentinnen und Abonnenten sehr viel Freude machen wird.

Der Zusammenschluss hat einen Arbeitsplatzabbau zur Folge. Handelt es sich nicht eher um eine Sparmassnahme?

Wir bekennen uns klar zur Region. Eine Region mit knapp 70 000 Einwohnern, in der bisher zwei Tageszeitungen erschienen sind, sechsmal wöchentlich mit einer Auflage von je 6000 Exemplaren. Es handelt sich also viel mehr um eine Bündelung der Kräfte. So können wir mit der neuen «Linth-Zeitung» eine noch bessere Zeitung machen.

Aber es wird Arbeitsplätze kosten.

Künftig werden weniger Stellen zur Verfügung stehen, das ist richtig. Entlassungen wollen wir, wenn es geht, vermeiden. In den letzten Monaten waren auf beiden Redaktionen nicht alle Stellen besetzt.

Weshalb eigentlich der Name «Linth-Zeitung»?

Die Linth verbindet die Region zwischen dem Walensee und dem Zürichsee. Und es gab früher schon eine Zeitung namens «Die Linth» von Verleger Rudolf Gasser. Auch der Name «Linth-Zeitung» ist nicht ganz neu. Die heutige «Zürichsee-Zeitung Obersee» hiess bis vor genau zehn Jahren «Linth-Zeitung». Wir haben erst im Mai auch in Glarus und Graubünden die früheren Zeitungstitel «Glarner Nachrichten» und «Bündner Zeitung» wieder zum Leben erweckt.

Was dürfen die Leserinnen und Leser von der neuen «Linth-Zeitung» erwarten?

Die «Linth-Zeitung» deckt das ganze Gebiet zwischen Rapperswil-Jona und Amden ab. Da die Redaktion mehr Mittel zur Verfügung haben wird, kann sie einen attraktiven Regionalteil bieten, in dem sie umfassend über Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Sport berichtet. Dieser wird ergänzt mit einer sogenannten «Zürich-Seite», damit die Menschen am Zürichsee auch informiert sind über das Geschehen ennet der Kantonsgrenze. Natürlich wird auch die Berichterstattung aus dem gesamten Kanton St. Gallen, insbesondere auch aus dem Kantonsrat, fortgesetzt. Kurz gesagt: Die «Linth-Zeitung» wird künftig die einzige täglich erscheinende Zeitung in See-Gaster sein. Und natürlich wird das Angebot auch online zur Verfügung stehen. Mit der «Linth-Zeitung» kommen wir zudem dem Wunsch vieler Abonnenten nach, welche die Todesanzeigen aus der Region gerne in einer einzigen Zeitung haben und dafür nicht extra zwei Zeitungen lesen wollten.

Wir gross wird die «Linth-Zeitung» sein?

Sie wird in einer Auflage von etwas über 10 000 Exemplaren sechsmal pro Woche erscheinen, wovon am Samstag als bei den Leserinnen und Lesern sehr beliebten Wochenendausgabe. Dazu werden wir einmal pro Woche eine Grossauflage mit über 20 000 Exemplaren haben. Die «Linth-Zeitung» wird also für die Leserinnen und Leser sehr attraktiv, aber auch für die Inserentinnen und Inserenten. Denn Inserenten aus dem lokalen Markt erreichen künftig mit einer einzigen Zeitung das ganze Gebiet zwischen Rapperswil-Jona und Amden und das zu einem viel günstigeren Preis als bis jetzt. Und nationale Inserenten erreichen ab dem 1. Oktober mit uns 10 000 Leserinnen und Leser mehr. Mit der «Linth-Zeitung» vergrössert Somedia die Gesamtreichweite der «Südostschweiz» um über sechs Prozent auf rund 180 000 Leserinnen und Leser.

Keine Angst, dass die Wettbewerbskommission (Weko) das Projekt noch verhindern könnte?

Somedia wird im Joint Venture die alleinige Kontrolle haben, Tamedia hat nur Minderheitsrechte und einen Sitz im Verwaltungsrat. Zudem liegt die Transaktion unterhalb des Schwellenwerts, der gemäss Kartellgesetz eine Meldepflicht für Somedia zur Folge hätte.

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