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200 Millionen Franken tief in die Kantonskasse gegriffen

200 Millionen Franken tief in die Kantonskasse gegriffen

Die Covid-19-Krise kam Graubünden bis jetzt teuer zu stehen. Damit nicht genug: Graubünden Ferien und Gastro Graubünden könnten in den Genuss von weiteren Unterstützungsgeldern kommen.

Reto
Furter
02.10.20 - 04:30 Uhr
Wirtschaft
Covid-19-Hilfe im Fokus: Der Kanton Graubünden zahlte zwischen März und Mitte September 160 Millionen Franken an Entschädigungen für Kurzarbeit aus.
OLIVIA AEBLI-ITEM

Die Bündner Regierung hat eine erste Zwischenbilanz über die Kosten der Covid-19-Krise und des damit verbundenen Wirtschaftseinbruchs gezogen. Insgesamt hat der Kanton seit März dieses Jahres, seit Einsetzen der Sofortmassnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen, rund 200 Millionen Franken an Kurzarbeits- und Erwerbsersatzentschädigung ausbezahlt.

5731 Gesuche seien dabei allein für Erwerbsersatzentschädigungen für Unternehmen und Selbstständigerwerbende eingegangen, heisst es seitens der Regierung. Ausbezahlt wurden schliesslich, bis zum Stichdatum 18. September, 41,9 Millionen Franken, im Durchschnitt damit rund 7300 Franken je eingegangenem Gesuch. In dieser Summe noch nicht enthalten seien allerdings Erwerbsausfallentschädigungen, welche zwar covid-19-bedingt waren, die aber an Mitglieder von Verbandsausgleichskassen gingen.

160 Millionen Franken für Kurzarbeitsentschädigung

Noch wesentlich mehr Unterstützungsgelder flossen allerdings, ebenfalls bis zum Stichdatum vom 18. September, an jene knapp 4500 Bündner Betriebe, die Kurzarbeit eingeführt hatten. Ausbezahlt wurden rund 160 Millionen Franken. Die Zahl der Betriebe mit Kurzarbeit erreichte dabei von April bis Juni mit bis zu 3300 Betrieben im Kanton ein Maximum; im Juli war die Zahl der betroffenen Betriebe bereits auf 1575 gesunken, im August auf 784 und im September schliesslich auf rund 600 Betriebe.

Der Chefökonom von Economiesuisse, Rudolf Minsch, beantwortet rund um das Thema Kurzarbeit in Graubünden eine Auswahl an Fragen:

Bürgschaften und Härtefälle

Damit nicht genug der Soforthilfen. Zusätzlich habe die Regierung 25 Bündner Unternehmungen nämlich eine Solidarbürgschaft zur Verfügung gestellt. Der Gesamtumfang dieser Bürgschaften beträgt 11,4 Millionen Franken. Zudem hat die Regierung laut der Mitteilung 50 Unternehmungen eine Härtefallentschädigung von durchschnittlich gut 15 000 Franken ausbezahlt. Insgesamt wurden damit weitere 758 000 Franken gesprochen.

42

Millionen

Bis Mitte September gewährte der Kanton Entschädigungen für den Erwerbsersatz im Betrag von bereits 41,9 Millionen Franken. Die Gelder gingen an Unternehmen und Selbständigerwerbende.

Weitere Hilfe für Tourismus

Zugute kam dem Kanton der sehr gute Tourismussommer 2020 mit einem Plus von 13,2 Prozent Logiernächten gegenüber dem Vorjahr. Profitiert hat Graubünden dabei hauptsächlich von Schweizer Gäste, deren Anteil von 62 Prozent im Vorjahr auf durchschnittlich 82 Prozent erhöht werden konnte. Allerdings sei auch diese Bilanz trügerisch, weil je nach Destination und Gästesegment sehr unterschiedlich.

Ausgestanden ist die Krise aber noch nicht, wie die Regierung schreibt. Sie lanciert deshalb in Zusammenarbeit mit der Dachorganisationen Wirtschaft Graubünden sowie der Interessengemeinschaft Tourismus Graubünden ein weiteres Massnahmenpaket. Im Vordergrund stünden dabei mittel- bis langfristige Massnahmen. Vorschläge erwarte man, so die Regierung, bis im Frühling.

Schneller soll es hingegen mit einem weiteren Hilfspaket für den Bündner Tourismus gehen. Man prüfe dazu derzeit, wie weitere Sondermassnahmen von Graubünden Ferien und Gastro Graubünden finanziell unterstützt werden könnten. Zudem plane man zusammen mit der Interessengemeinschaft Tourismus Graubünden und weiterer Branchenpartner, in zehn Destinationen Informationsveranstaltungen durchzuführen, um dort auf die Bedeutung und Umsetzung von Schutzkonzepten und weiterer Massnahmen hinzuweisen.

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